An 12. Juni hat die Bundesregierung die Nationale Weiterbildungsstrategie (NWS) verkündet und damit ein wichtiges Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag auf den Weg gebracht. Vorausgegangen war eine intensive Beratung unter Federführung des Bundesarbeitsministeriums (BMAS) und des Bundesbildungsministeriums (BMBF), an der neben dem DIHK unter anderem Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, die Bundesländer sowie die Bundesagentur für Arbeit als Strategiepartner beteiligt waren.
 
Erklärtes Ziel der NWS ist es, angesichts der fortschreitenden Digitalisierung der Arbeitswelt eine neue Weiterbildungskultur zu etablieren, die Weiterbildung als selbstverständlichen Teil des Lebens versteht.
 
Intensive Diskussion, teils unterschiedliche Sichtweisen
In der Strategiediskussion prallten teilweise recht unterschiedliche Sichtweisen der Akteure aufeinander – etwa, was neue individuelle Rechtsansprüche auf Weiterbildung anbelangt, die aus Sicht der Wirtschaft kritisch zu bewerten sind.
 
Am Ende verständigten sich die Strategiepartner aber in einem über 20-seitigen Papier auf zehn Handlungsziele – von mehr Transparenz bezüglich Weiterbildungsmöglichkeiten und -angeboten über eine bessere Vernetzung der Weiterbildungsberatung bis hin zur Weiterentwicklung von Fortbildungsabschlüssen und Weiterbildungsangeboten. Diese Handlungsziele werden mit teils einzelnen, teils gemeinsamen „Commitments“ – also konkreten Handlungszusagen der Strategiepartner – unterlegt.
 
Beiträge der IHKs
Die IHK-Organisation engagiert sich in diesem Kontext vor allem für die Stärkung der Höheren Berufsbildung sowie für die Verbesserung und noch bessere Vernetzung der IHK-Weiterbildungsberatung vor Ort. Zudem sollen in den Umfragen der IHK-Organisation die Themenbereiche Digitalisierung und Weiterbildung künftig noch stärker in den Fokus genommen werden.
 
Aber auch das Engagement der IHK-Organisation beim Thema Teilqualifikationen sowie im vom BMBF geförderten Modellprojekt ValiKOM (www.validierungsverfahren.de) findet in der NWS Niederschlag.
 
So geht es weiter
Geplant ist, dass die Partner der NWS die Strategie bis zum Ende der Legislaturperiode umsetzen. Ein halbjährlich tagendes Gremium soll diesen Prozess begleiten. Im Jahr 2021 soll ein gemeinsamer Bericht vorgelegt werden, mit dem der Umsetzungsstand der NWS überprüft wird.
 
Die OECD wird von BMAS und BMBF gebeten, den Umsetzungsprozess der Strategie mit einem Länderbericht zur beruflichen Weiterbildung in Deutschland fachlich zu begleiten.
 
DIHK-Einschätzung
Die Nationale Weiterbildungsstrategie nimmt zu Recht die berufliche Weiterbildung in den Fokus und trägt deren wachsender Bedeutung Rechnung. Denn werden Betriebe nach dem Handlungsbedarf in Bezug auf die Digitalisierung gefragt, rangieren „mehr Weiterbildungsmaßnahmen" bei 87 Prozent der Unternehmen auf Platz 1.
 
Dem „Mitmach-Ansatz“ der Industrie- und Handelskammern entspricht es, dass die Politik die verschiedenen relevanten Akteure einbezogen und ein gemeinsames Programm an Handlungsbereichen erstellt hat. Klar ist aber auch: Eine Nationale Weiterbildungsstrategie kann nur einen Rahmen bilden und Impulse setzen für regional unterschiedliche Herausforderungen und Antworten.
 
Ob und wie gut dies die Strategie leisten kann, wird die Umsetzung zeigen. In jedem Fall lebt Weiterbildung auch in Zukunft vom individuellen Engagement der Betriebe und Erwerbstätigen vor Ort.