IHK + Region

10. November 2020
Konjunkturumfrage

Regionale Wirtschaft auf Erholungskurs

Wirtschaftslagebericht der IHK Heilbronn-Franken für das 3. Quartal 2020.
Die Wirtschaft im IHK-Bezirk Heilbronn-Franken erholt sich langsam von dem heftigen Einbruch infolge der Coronavirus-Pandemie. Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen im 3. Quartal 2020 deutlich besser als in den Vormonaten eingeschätzt. Die Konjunktur in Industrie und bei den Dienstleistern fällt weniger negativ als in den Vormonaten aus. Der Rückstand zum Vorkrisenniveau ist allerdings immer noch groß. Im Groß- und Einzelhandel haben sich die Geschäfte spürbar belebt. Überdurchschnittlich gut beurteilen nach wie vor die Bauunternehmen ihre aktuelle Situation. Bei den Geschäftserwartungen insgesamt überwiegt erstmals seit über einem Jahr wieder die Zuversicht. Mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit rechnen die Betriebe mehrheitlich voraussichtlich bis Ende 2021. Das sind die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken, an der 419 Betriebe aller Branchen und Größenklassen mit insgesamt rund 87.800 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk teilgenommen haben.
 
Die aktuelle Geschäftslage wird von den Unternehmen deutlich besser als im Vorquartal eingeschätzt. Es überwiegen leicht die positiven Stimmen. Im Einzelnen sprechen 30 Prozent (Vorquartal 20 Prozent), der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen von einem guten Geschäftsverlauf, während 28 Prozent (Vorquartal 41 Prozent) mit der Geschäftslage unzufrieden sind. Bei den Geschäftserwartungen überwiegt erstmals seit Sommer 2019 wieder der Optimismus. 30 Prozent (Vorquartal 21 Prozent) erwarten eine günstigere Geschäftsentwicklung, während 21 Prozent (Vorquartal 40 Prozent) skeptisch in die Zukunft blicken. 32 Prozent der Betriebe arbeiten bereits wieder auf Vorkrisenniveau oder rechnen mit einer Rückkehr zur normalen Geschäftstätigkeit im Jahresverlauf. 31 Prozent kalkulieren im Jahr 2021 mit einer Rückkehr zur Normalität.
 
Das größte Geschäftsrisiko sehen 74 Prozent wie im Vorquartal in der Corona-Pandemie. Der Fachkräftemangel stellt für 36 Prozent (Vorquartal 26 Prozent) ein großes Geschäftshemmnis dar. Auch am Arbeitsmarkt zeigen sich erste Erholungszeichen. 13 Prozent (Vorquartal 8 Prozent) planen Neueinstellungen, 28 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) wollen Personal abbauen.
 
Rückkehr zur Normalität erst bis Ende 2021 erwartet
Die regionale Wirtschaft befindet sich im Herbst 2020 nach dem heftigen Einbruch im Frühjahr infolge der Corona-Pandemie wieder im Aufwärtstrend. In der Industrie hat sich die Auftragslage merklich verbessert. Ein Großteil des Orderzuwachses war internationalen Kunden zu verdanken. Dennoch bleibt das Auslandsgeschäft von erheblichen Unsicherheiten geprägt. Die Sorge vor Einschränkungen im grenzüberschreitenden Waren- und Personenverkehr nimmt wieder zu. Zudem sind viele Unternehmen noch weit entfernt von den Umsätzen, die sie vor der Krise hatten. Die regionalen Betriebe rechnen mehrheitlich erst bis Ende 2021 mit einer Rückkehr zur Normalität. Hemmschuh für die weitere wirtschaftliche Erholung sind die aufgrund der hohen Unsicherheit zurückgestellten Investitionen aus dem In– und Ausland. Zudem ist die finanzielle Situation in etlichen Unternehmen herausfordernd. Mehr denn je benötigen die Betriebe daher gute Standortbedingungen für das Wirtschaften hierzulande.
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Industrie arbeitet sich aus Corona-Tief heraus
Die im vergangenen Quartal stark betroffene Industrie, die maßgeblich die regionale Wirtschaftsentwicklung bestimmt, arbeitet sich aus dem konjunkturellen Keller. Die Lageeinschätzungen der Industriebetriebe haben sich gegenüber dem Vorquartal per saldo spürbar verbessert. Ein Viertel (Vorquartal 18 Prozent) der Unternehmen spricht von einer guten Geschäftslage, während 30 Prozent (Vorquartal 45 Prozent) mit dem aktuellen Geschäftsverlauf unzufrieden sind. Die Zahl der Auslandsorders fällt gegenüber dem Vorquartal per saldo erheblich weniger ungünstig aus. Sie liegt nun sogar wieder über dem Vorkrisenniveau zum Jahresende 2019. 23 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) konnten einen Zuwachs der ausländischen Auftragseingänge verbuchen. 28 Prozent (Vorquartal 55 Prozent) klagen über einen Rückgang.
 
Im Bereich der Inlandsorders ist per saldo ebenfalls eine deutliche Erholung festzustellen. Hier wird das Vorkrisenniveau vom 4. Quartal 2019 spürbar übertroffen.  23 Prozent (Vorquartal 11 Prozent) der Betriebe berichten übersteigende Auftragseingänge aus dem Inland, 27 Prozent (Vorquartal 51 Prozent) mussten Einbußen hinnehmen. Die Kapazitätsauslastung ist auf 77 Prozent gestiegen (Vorquartal 69 Prozent). Hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung hoffen die Industrieunternehmen ausgehend von der noch immer sehr ungünstigen Lage auf eine deutliche Erholung. 36 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) der Betriebe erwarten eine günstigere Entwicklung, während 16 Prozent (Vorquartal 37 Prozent) pessimistisch in die Zukunft blicken. 36 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) rechnen mit steigenden Umsätzen, 24 Prozent (Vorquartal 47 Prozent) befürchten Umsatzeinbußen.
 
Die Exporterwartungen haben sich spürbar verbessert. 30 Prozent (Vorquartal 19 Prozent) erwarten ein steigendes Auslandsgeschäft, ein Viertel (Vorquartal 41 Prozent) kalkuliert mit sinkenden Exporten. Das Investitionsverhalten hat sich dagegen nur wenig belebt. Ein Fünftel (Vorquartal 17 Prozent) plant mit höheren Investitionsausgaben, während ein Drittel (Vorquartal 39 Prozent) ein sinkendes Investitionsniveau vorsieht. Bei den Beschäftigungsplänen rechnen 13 Prozent (Vorquartal sieben Prozent) mit einem Personalaufbau. 35 Prozent (Vorquartal 40 Prozent) kalkulieren mit einer sinkenden Beschäftigtenzahl.
 
Baugewerbe weiter überdurchschnittlich gut
Überdurchschnittlich gut im Branchenvergleich zeigt sich nach wie vor die aktuelle wirtschaftliche Situation im Baugewerbe. Die Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Lage deutlich besser als im Vorquartal. 74 Prozent (Vorquartal 59 Prozent) der Betriebe bezeichnen den aktuellen Geschäftsverlauf als gut, kein Unternehmen (Vorquartal zwei Prozent) meldet eine schlechte Geschäftslage. Bei den Auftragseingängen überwiegen weiter die negativen Stimmen. 13 Prozent (Vorquartal zehn Prozent) berichten von steigenden Auftragseingängen, ein Drittel (Vorquartal 26 Prozent) klagt über Auftragseinbußen. Am geringsten fällt der Auftragsrückgang nach wie vor im Wohnungsbau aus, während der Straßen– und Tiefbau sowie der gewerbliche Hochbau die stärkste Abnahme der Auftragseingänge melden.
 
Mit Blick auf die kommenden Monate erwarten die Betriebe per saldo ungünstigere Geschäfte. Gegenüber dem Vorquartal hat die Skepsis jedoch abgenommen. Im Einzelnen blicken acht Prozent (Vorquartal vier Prozent) optimistisch in die Zukunft, 28 Prozent (Vorquartal 37 Prozent) erwarten eine schlechtere Entwicklung. Neben dem Fachkräftemangel (76 Prozent) wird die Corona-Pandemie (58 Pro zent) als größtes Geschäftshemmnis betrachtet. 76 Prozent (Vorquartal 96 Prozent) planen mit einer gleich bleibenden Beschäftigtenzahl.  18 Prozent (Vorquartal vier Prozent) sehen Neueinstellungen vor.
 
Aufhellung im Großhandel
Das Stimmungsbild im Bereich des Großhandels hat sich gegenüber dem Vorquartal spürbar aufgehellt. Es überwiegen nun wieder deutlich die positiven Stimmen. 47 Prozent (Vorquartal 27 Prozent) der Unternehmen berichten von einem guten Geschäftsverlauf, während 21 Prozent (Vorquartal 39 Prozent) mit der aktuellen Geschäftslage unzufrieden sind. Sowohl der produktionsverbindende als auch der konsumnahe Großhandel melden bessere Geschäfte. Auch das Bestellverhalten hat sich im Vergleich zum Vorquartal belebt. 26 Prozent (Vorquartal 22 Prozent) berichten von steigenden Bestellungen. 12 Prozent (Vorquartal 47 Prozent) klagen über einen Rückgang. Größte Geschäftsrisiken sehen die Großhändler weiterhin in der Corona-Pandemie und in der Inlandsnachfrage. Jeweils 18 Prozent der Betriebe erwarten eine günstigere (Vorquartal 20 Prozent) bzw. ungünstigere Geschäftsentwicklung (Vorquartal 51 Prozent). Ein Zehntel plant Neueinstellungen. 13 Prozent erwägen einen Personalabbau.
 
Einzelhandel: Konsumbereitschaft belebt sich
Die Lagebeurteilung im regionalen Einzelhandel fällt im Vergleich zum Vorquartal wieder erheblich positiver aus. 57 Prozent (Vorquartal 35 Prozent) der Einzelhändler halten den Geschäftsverlauf für gut. Ein Viertel (Vorquartal 32 Prozent) bezeichnet die Geschäftslage als schlecht. Im separat erfassten Handel mit Kraftfahrzeugen überwiegen dagegen trotz einer kräftigen Erholung weiter die negativen Lageurteile. Die Konsumbereitschaft hat sich, auch begünstigt durch die befristete Umsatzsteuersenkung, belebt. Jeweils 35 Prozent der Einzelhändler bezeichnen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig (Vorquartal 32 Prozent) bzw. als zurückhaltend (Vorquartal 54 Prozent). 31 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) stufen das Kaufverhalten als saisonüblich ein. 38 Prozent (Vorquartal 25 Prozent) der Betriebe kalkulieren mit Umsatzsteigerungen. 35 Prozent (Vorquartal 53 Prozent) erwarten Umsatzeinbußen. Die Geschäftserwartungen bleiben bei einer deutlichen Verbesserung gegenüber dem Vorquartal von leichter Skepsis geprägt. 31 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) der Einzelhändler gehen von einer günstigen Entwicklung in den kommenden zwölf Monaten aus. 35 Prozent (Vorquartal 46 Prozent) blicken mit Skepsis in die Zukunft. 19 Prozent (Vorquartal 6 Prozent) der Unternehmen wollen Personal einstellen. 22 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) der Betriebe ziehen eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl in Betracht. Größte Geschäftsrisiken bleiben die Corona-Pandemie (69 Prozent) und die Inlandsnachfrage (48 Prozent).
 
Dienstleistungskonjunktur verbessert – große Unterschiede in Teilbereichen
Die Beurteilung der wirtschaftlichen Lage durch die regionalen Dienstleister fällt weniger negativ als im Vorquartal aus. 18 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) der Betriebe sprechen von einem guten Geschäftsverlauf, während 36 Prozent (Vorquartal 51 Prozent) mit der Geschäftslage unzufrieden sind. In den einzelnen Teilbereichen zeigen sich allerdings große Unterschiede. Während im Bereich der ITK-Dienstleister die Lageurteile per saldo wieder im Plusbereich liegen, sind unter anderem die Reisebüros weiter massiv von der Pandemie betroffen. Bei 17 Prozent der Dienstleister (Vorquartal 8 Prozent) sind die Umsätze gestiegen. 61 Prozent (Vorquartal 75 Prozent) klagen dagegen über rückläufige Umsätze. 22 Prozent (Vorquartal zehn Prozent) berichten von steigenden Auftragsvolumina, während 38 Prozent (Vorquartal 58 Prozent) Einbußen hinnehmen mussten.
 
Die Geschäftserwartungen sind erstmals seit einem Jahr per saldo wieder im positiven Bereich. 32 Prozent (Vorquartal 19 Prozent) der Dienstleister blicken optimistisch in die Zukunft. 23 Prozent (Vorquartal 45 Prozent) rechnen mit einer ungünstigeren Entwicklung. Größte Geschäftsrisiken stellen die Corona-Pandemie (80 Prozent) und die Inlandsnachfrage (67 Prozent) dar. 14 Prozent (Vorquartal elf Prozent) der Betriebe wollen neue Stellen schaffen. 24 Prozent (Vorquartal 34 Prozent) der Unternehmen planen einen Personalabbau.
 
Unzufriedenheit im Hotel- und Gaststättengewerbe geht zurück
Die Lagebeurteilung im Hotel- und Gaststättengewerbe, das bei den Ergebnissen zu den Dienstleistern nicht mit einbezogen ist, hat sich gegenüber dem corona-bedingten Absturz im Vorquartal zumindest per saldo wieder deutlich erholt. 26 Prozent (Vorquartal null Prozent) der Betriebe sprechen von einer guten Geschäftslage. 47 Prozent (Vorquartal 77 Prozent) sind mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. 90 Prozent erwarten in diesem Jahr allerdings einen Umsatzrückgang von über zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. 69 Prozent berichten von einem Eigenkapitalrückgang. 17 Prozent rechnen mit einer besseren, 64 Prozent mit einer schlechteren zukünftigen Entwicklung.