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11. Juni 2019
Firmenporträt Pink

Problemlöser im Mμ-Bereich

Bei Pink Vakuumtechnik werden zwei neue Hallen unter anderem mit Rein- und Reinsträumen errichtet.
Gut 8.000 Quadratmeter Fläche kommen bis Ende dieses, spätestens Anfang nächsten Jahres zu den schon vorhandenen 12.000 Quadratmetern hinzu. Und es werden neue Arbeitsplätze entstehen. „In nicht unerheblichem Umfang“, sagt Hubert L. Günther.

Seit genau sieben Jahren ist er als Geschäftsführer für die kaufmännischen und personellen Belange der Pink GmbH Vakuumtechnik verantwortlich. Im Januar 2014 kam Volker Heidinger hinzu, als Geschäftsführer für den technischen Bereich. „Wir sind ein Sonderanlagenhersteller in der Ultra-Hoch- Vakuumtechnik“, so Günther auf die Frage, was bei Pink eigentlich produziert wird. „Vakuum können viele“, ergänzt er, „was wir machen, können nur wenige“.

Heidinger erklärt, „Wir sind Problemlöser. Kurz und vereinfacht gesagt: die Kunden geben vor, was sie benötigen und Pink macht es.“ Und hat es damit bis in die Weltspitze gebracht, sogar darüber hinaus. Denn vor fünf Jahren wurde ein von dem Unternehmen entwickelter tiegelfreier Schmelzofen zur Internationalen Raumstation ISS gebracht. Der deutsche Astronaut Alexander Gerst hat damit erfolgreich gearbeitet. Es hat alles funktioniert, „ein Servicetechniker war nicht nötig“, schmunzelt Geschäftsführer Günther. Hätte man denn einen schicken können? Nun, man hat immerhin einen Mitarbeiter im Betrieb, der schon so zwischen 1.200 und 1.300 Parabelflüge absolvierte, eine der Voraussetzungen für einen Aufenthalt in der Schwerelosigkeit.

 „Vakuum können viele, was wir machen, können nur wenige“. - Hubert L. Günther, Geschäftsführer


Bekenntnis zum Standort
Abgesehen von diesem und einigen anderen Beispielen aus der Luft- und Raumfahrtindustrie haben die meisten der Produkte von Pink bei ihrem Einsatz, ob nun in Wissenschaft und Forschung, in der Halbleiter- und Elektronikindustrie, der optischen Industrie oder der Medizintechnik, aber festen Boden unter den Füßen. Sei es nun bei den Ultrahochvakuumsystemen für Therapie- und Diagnoseeinrichtungen, bei hochpräzisen Beschichtungsanlagen, Teilchenbeschleunigern oder Dichtheitsprüfanlagen. „Alles aus einer Hand, von einem Standort.“

Im Jahr 2002 war Pink Vakuumtechnik eine der ersten Wertheimer Firmen, die in das damals neue Gewerbegebiet im Stadtteil Reinhardshof gezogen ist. Die Neubauten jetzt sind für Günther „ein beredtes Zeichen dafür, dass wir hierbleiben und nicht in Billiglohnländer verlagern wollen.“ Wobei es heute durchaus eine Herausforderung sei, in Deutschland zu entwickeln und zu produzieren. „Aber der stellen wir uns“, versichert der 60-jährige Diplom-Kaufmann.

Mit einer der beiden neuen Hallen wird Pink einer der größten Reinigungs- und Qualifizierungsdienstleister Europas. Hier entstehen weitere Rein- und Reinsträume mit erheblichen Kapazitäten. Denn komplexe und hochsensible Baugruppen, Module oder Strukturen zum Beispiel aus der Elektronenmikroskopie, der Luft- und Raumfahrt, der Halbleitertechnik und der Lithografie erfordern extrem saubere Teile und eine partikelfreie Montage wie sie eben nur in Reinräumen möglich ist. „Mit unseren eigenen, großen Anlagen stellen wir sicher, dass die erforderliche Reinheit der Bauteile gewährleistet werden kann. Und das tun wir nicht nur für unsere Produkte.“ Um eine Kapazitätsausweitung geht es auch beim zweiten Neubau, denn in der Zerspanungstechnik ist man ausgelastet.
 
Organisches Wachstum und Nachhaltigkeit
Alle neuen Bereiche werden klimatisiert sein und damit ein Problem lösen, das verstärkt im heißen Sommer vergangenen Jahres aufgetreten ist: Es gibt Produkte, die bei hohen Temperaturen gar nicht hergestellt werden können. Einen zweistelligen Millionenbetrag lässt sich Pink die Investitionen kosten. Das sei notwendig, denn nach wie vor müsse und wolle man auf Veränderungen am Markt reagieren.

Weiterhin gilt aber, was der kaufmännische Geschäftsführer schon zum 30. Geburtstag des Unternehmens gesagt hatte: „Wir legen absoluten Wert auf ein organisches Wachstum und fühlen uns der Nachhaltigkeit verpflichtet. Wir spielen einen Ball nach dem anderen.“ Das sei einer der Gründe, warum sich Pink technologisch so weit vorne befinde. „Den Grundstein dafür hat Friedrich Pink gelegt. Er hatte die Nase immer im Wind.“ Pink, Inhaber und heute Aufsichtsratsvorsitzender, hat die Firma 1986 gegründet. Was macht für Hubert L. Günther einen guten Unternehmer aus? „Dass er Erfolg haben muss. Denn daran wird er letztlich gemessen.“

Früh ist man bei Pink aus der Solartechnologie aus- und in die Halbleiterindustrie eingestiegen. Heute ist sie mit einem Anteil zwischen 40 und 50 Prozent nach wie vor der größte Umsatzträger. Apropos Umsatz: Da konnte man 2018 mit mehr als 34 Millionen Euro „ein kleines Rekordjahr“ verzeichnen. Was aber auch daran gelegen habe, dass man vergleichsweise viele Schlussrechnungen für länger laufende Projekte geschrieben hat, will Günther die Trauben nicht zu hoch hängen.

Volker Heidinger, Geschäftsführer für den technischen Bereich, und Hubert L. Günther, Geschäftsführer für die kaufmännischen und personellen Belange.

Arbeiten in Reinräumen.

Mitarbeiter mitnehmen
Stark nach oben entwickelt hat sich die Zahl der Beschäftigten. Gut 270 sind es jetzt und das noch bevor die Neubauten fertiggestellt sind. „Wir legen durchaus Wert darauf, dass wir unsere Mitarbeiter, wie heißt es so schön, mitnehmen,“ betont der Geschäftsführer. „Soweit sie das überhaupt wollen.“ Diejenigen, für die das zutreffe, gelte es zu identifizieren, „dann hat man auch gutes Potenzial“. Und das sei heute wichtiger denn je. Deshalb hält man bei Pink auch an der hohen Ausbildungsquote fest. Zwischen 25 und 30 junge Leute erlernen in dem Unternehmen einen Beruf. Die Übernahmechancen sind gut.

Hubert L. Günther ist fasziniert von dem, was er tut. Das ist spürbar. „Wir arbeiten im Mμ-Bereich. Da fragt man sich oft, wie das überhaupt möglich ist. Das sind Größen, die kann man sich als ‚Normalsterblicher‘ gar nicht vorstellen. Aber es geht.“ Bei Pink beweist man es Tag für Tag aufs Neue.
 

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