Frau Lemcke, RGIT vertritt die deutsche Wirtschaft in Washington, DC. Was genau macht das Büro? Lemcke: RGIT ist das gemeinsame Verbindungsbüro von DIHK und BDI, das vor 30 Jahren in Washington, DC gegründet wurde. Wir vertreten die Interessen von DIHK und BDI und ihren Mitgliedern gegenüber der Regierung der Vereinigten Staaten. Wir arbeiten an politischen Themen, verfolgen neue Initiativen der Administration und des US-Kongresses und bewerten deren Auswirkungen auf die transatlantischen Handelsbeziehungen. Dabei kommunizieren wir die Position unserer Prinzipale dazu. RGIT ist auch Teil des Netzwerkes der deutschen Außenwirtschaftsförderung und arbeitet eng mit den deutschen Auslandshandelskammern (AHK) zusammen, deren Mitglieder in den USA niedergelassene Unternehmen sind.
 
Welche Themen beschäftigen Sie momentan am meisten?
Lemcke: Unser Büro verfolgt alle Themen, die die transatlantischen Handels- und Investitionsbeziehungen beeinflussen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf der Handelspolitik, Regulierung, Energie, Infrastruktur, Digitalisierung und Standortpolitik. Momentan ist viel Bewegung im handelspolitischen Bereich: Die Neuverhandlung des USMCA-Abkommens (vorher NAFTA-Abkommen) mit Kanada und Mexiko betrifft die Wertschöpfungsketten der deutschen Unternehmen in der Region, die neuen US-Zölle auf Stahl, Aluminium und Produkte aus China verteuern die importierten Vormaterialien und drohen die Wachstumsimpulse der Steuerreform von 2017 aufzuheben.

Bisher ist die Konjunktur in den USA gut, doch je mehr neue Handelsbarrieren eingeführt oder angedroht werden, desto stärker dämpft die daraus resultierende Unsicherheit den Optimismus der Unternehmen vor Ort - insbesondere bei den Firmen, die Waren ein- und ausführen. Ein weiteres wichtiges Thema sind die beginnenden Gespräche zwischen der EU und den USA – wo kann man Handelsbarrieren ab- statt aufbauen und wie eine Eskalation vermeiden?
 
Ist die deutsche Wirtschaft von den Handelskonflikten stark betroffen?
Lemcke: Es kommt auf die Branche an. Einige deutsche Unternehmen sind unabhängig von Im- oder Exporten, diese spüren bislang vor allem die positiven Wachstumseffekte – aber zunehmend auch indirekte Effekte der Zölle: Die erhöhten Stahl- und Aluminiumpreise lassen zum Beispiel Bauvorhaben für alle teurer werden. Andere Unternehmen exportieren Produkte aus den USA in den Rest der Welt und sind von den Retorsionsmaßnahmen, die die US-Handelspartner als Antwort auf die US-Zölle eingeführt haben, betroffen. Für andere sind alle Maßnahmen relevant.

Schauen wir uns z.B. die deutsche Automobilindustrie an: Die beiden größten Autoexporteure aus den USA heraus nach China sind deutsche Firmen, die momentan sowohl US-Importzölle auf Stahl- und Aluminium als auch Zölle auf die fertigen Autos, die nach China verkauft werden, zahlen müssen. Hinzu kommen neue Barrieren für Autoteile im Austausch mit Mexiko und Kanada und potenziell neue generelle US-Zölle auf Autos und Autoteile - zumindest arbeitet das US-Wirtschaftsministerium gerade an Empfehlungen zu ähnlichen Zöllen, wie wir sie auf Stahl und Aluminium gesehen haben. Das summiert sich.

Welche Anliegen haben die Unternehmen?
Lemcke: Viele, gerade kleine und mittlere Unternehmen, brauchen vor allem Informationen, da die Vielzahl der Maßnahmen verwirrend ist. Welche Produkte sind betroffen? Ab wann? Und wie kann ich Ausnahmen beantragen? Wie kann ich meinem Kongressabgeordneten darlegen, wie negativ sich die Maßnahmen auf mein Unternehmen und die geschaffenen Arbeitsplätze auswirken? Wir versuchen hier zu vermitteln und die Bedeutung offener Märkte für Wachstum und Beschäftigung darzulegen. Viele Unternehmen sind dankbar, wenn dies von einer Organisation wie uns auf aggregierter Ebene übernommen wird, denn sie befürchten negative Presse, wenn sie unter ihrem Unternehmensnamen angeben, dass eventuell US-Arbeitsplätze in Gefahr sind.

IHK-Beratungstag
Die rechtlichen Fragestellungen, denen sich deutsche Unternehmen im US-Geschäft gegenübersehen, sind vielfältig und komplex. Am Mittwoch den 15. Januar bietet die IHK Heilbronn-Franken von 9 bis 16 Uhr in 45-minütigen Einzelgesprächen einen Beratungstag zu Rechtsfragen im US-Geschäft wie zu Vertrieb, Firmengründung, Visa, US-Arbeitsrecht, Produkthaftung, Einfuhrbestimmungen oder zur US-Quellensteuer. Die Expertin, Susanne Gellert, LL.M., Vice President der Deutsch- Amerikanischen Handelskammer in New York, berät umfassend und zielgenau.

Susanne Gellert ist in Deutschland und den USA als Rechtsanwältin zugelassen. Seit über zehn Jahren leitet sie die Rechts- und Consultingabteilung der Deutsch-Amerikanischen Handelskammer in New York und unterstützt Unternehmen bei der Klärung von Rechtsthemen, welche die Abwicklung von Geschäften zwischen Deutschland und den USA betreffen.