Geld + Märkte

07. Oktober 2019
Länderporträt

Afrika - Eine Perspektive

Lohnt sich Sourcing in Afrika für Einkäufer von deutschen Unternehmen? Ja!
Das war die klare und eindeutige Antwort der Wirtschaftsvertreter einer Diskussionsrunde im Rahmen der Africa Europe Week in der IHK Frankfurt.
 
Die deutsche Wirtschaft benötigt zur weiteren Expansion neue Beschaffungsmärkte. Daher sind deutsche Unternehmen grundsätzlich gut beraten nach neuen Beschaffungsmärkten zu suchen. Und – auf Sicht gedacht - kann aus einem Beschaffungsmarkt auch ein Absatzmarkt werden. Hier bietet sich der afrikanische Kontinent an, auf dem derzeit 1,2 Milliarden Menschen leben. 2050 werden es gut 2 Milliarden Menschen sein. Das Durchschnittsalter beträgt derzeit 17 Jahre.
 
Freihandelszone errichtet
Die 54 Länder Afrikas bilden ebenso wenig wie Europa eine homogene Einheit. Die nordafrikanischen Länder Marokko und Ägypten haben beispielsweise Automobilproduktion - in Kenia, Nigeria und Ruanda zeigen sich Ansätze. Die größte industrielle Grundstruktur auf dem afrikanischen Kontinent bietet Südafrika.
 
Im Jahr 2018 entfielen 68 Prozent aller deutschen Exporte und 57 Prozent aller deutschen Importe mit Subsahara Afrika auf das Land am Kap, in dem 450 deutsche Unternehmen mit eigenen Niederlassungen vertreten sind. Viele von ihnen bedienen von dort die Nachbarländer. „Beispielsweise bezieht die Montageanlage von VW in Kigali Teile aus Südafrika“, erklärt Matthias Boddenberg, der Geschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages für das südliche Afrika mit Sitz in Johannesburg. Dies ist ein Beispiel, das dokumentiert, wie der afrikanische Kontinent wirtschaftlich enger zusammenwächst. Den politischen Willen dazu zeigt das African Continental Free Trade Agreement, das am 19. Mai 2019 in Kraft trat. Es regelt die Errichtung einer Freihandelszone zwischen 52 afrikanischen Staaten.

Walter Engelmann

Kontakte knüpfen
Für interessierte deutsche Einkäufer führen mehrere Wege zu Kontakten mit afrikanischen Exporteuren, um wettbewerbsfähige Produkte zu importieren. Beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. in Eschborn sind 960 Einkäufer für industrielle Ausrüstung Mitglied. Beim Bundesverband für Groß-, Außenhandel und Dienstleistungen in Berlin ist der Import Promotion Desk angesiedelt, der für eine Reihe von afrikanischen Ländern über Netzwerke von wettbewerbsfähigen Exporteuren für frisches Obst und Gemüse, natürliche Zutaten für Lebensmittel, Schnittblumen und technischem Holz verfügt.
 
Vor Ort in Afrika sind seit vielen Jahren deutsche Auslandshandelskammern und Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft zur Unterstützung der bilateralen Handelsbeziehungen etabliert: in den Ländern Ägypten, Algerien, Angola, Ghana mit Zuständigkeit für das westliche Afrika, Kenia mit Zuständigkeiten und Außenstellen für das östliche Afrika, Marokko, Nigeria, Südafrika mit Zuständigkeit und Außenstellen für das südliche Afrika sowie in Tunesien. Auch die Beteiligung afrikanischer Unternehmen an ausgewählten internationalen Messen in Deutschland – insbesondere Leitmessen – wird von diesen Selbsthilfeeinrichtungen der deutschen Wirtschaft unterstützt. Zudem akquirieren die deutschen Messegesellschaften afrikanische Einzelaussteller und Länderbeteiligungen.
 
Für die Integration afrikanischer Produkte in die Lieferkette müssen die Standards klar definiert sein. Ebenso wichtig ist das Verständnis der gegenseitigen Kultur. Und zudem sind aus deutscher Sicht Lieferanten auch Kunden, die aufgrund mehrjähriger guter Beziehungen eher eine deutsche Maschine kaufen als die des asiatischen Wettbewerbers.  
 
Zum Autor
Walter Engelmann ist Berater der AHK Südafrika – Büro Frankfurt.