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06. September 2018
Malaysia

Auf dem Weg zum Hocheinkommensland

In Malaysia kann man den Strukturwandel hautnah miterleben.
Das Land entwickelt sich zusehends zu einem modernen Hocheinkommensland. Über 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erwirtschaftet der Dienstleistungssektor. Die industrielle Fertigung setzt verstärkt auf Produktivitätssteigerungen durch Automatisierung. Diese Entwicklung ist zwar noch nicht abgeschlossen, und es gibt auf dem Weg dorthin noch einige Hindernisse zu überwinden, aber die Tendenz ist eindeutig.

In seiner noch jungen, gerade einmal 55-jährigen Geschichte, hat das Land bereits einen enormen Wandel vollzogen. Seine Wirtschaft war am Anfang der Unabhängigkeit und auch davor unter britischer Kolonialherrschaft, sehr stark von den Rohstoffen Zinn, Kautschuk und Palmöl geprägt. Recht bald nach der Unabhängigkeit wurde mit Hilfe vor allem japanischer Investitionen die Industrialisierung vorangetrieben und die Exporte industrieller Erzeugnisse rückten in den Vordergrund.
 
Dienstleistungssektor hat führende Rolle übernommen
Der Dienstleistungsbereich ist der mit Abstand wichtigste Sektor Malaysias. Noch vor wenigen Jahren lag dessen Anteil am BIP bei 50 bis 55 Prozent. Inzwischen trägt er über 60 Prozent zur BIP-Entstehung bei, Tendenz steigend. Wichtigste Sparten sind Groß- und Einzelhandel, Informations- und Kommunikationstechnik sowie Finanzdienstleistungen. Inzwischen ist Malaysia einer der weltweit führenden Hersteller von Halbleitern, elektrotechnischen Erzeugnissen und Solarpaneelen.

Der Dienstleistungssektor hat die führende Rolle bei der Entstehung des Bruttoinlandsproduktes übernommen und sowohl den Primärsektor als auch die verarbeitende Industrie auf die Plätze verdrängt. Bei der Ansiedlung von Investitionen kann Malaysia mit einigen Trümpfen aufwarten: Es bietet ein unternehmerfreundliches Umfeld mit attraktiven Anreizen, Rechtssicherheit und gut ausgebildeten Arbeitskräften. Weitere Standortvorteile sind die weit verbreiteten Englischkenntnisse und eine gut ausgebaute Infrastruktur. Zu den Herausforderungen, die das Land noch meistern muss, gehören die zum Teil starken Einkommensungleichheiten und das wirtschaftliche Gefälle zwischen den einzelnen Landesteilen.
 
Produktivitätssteigerung durch Automatisierung
Auf den vorhandenen Rohstoff en aufbauend hat sich Malaysia von einem Agrar- zu einem Industrieland entwickelt. Auch wenn die Gummi und Palmöl verarbeitende Industrie sowie die Petrochemie und Chemie weiterhin zu den führenden Branchen zählen, hat sich die Industriepalette wesentlich verbreitert. Die elektrotechnische und vor allem die elektronische Industrie, aber auch der Transportmittel- (Kfz-, Schiff - und Offshore-Bau sowie Flugzeugtechnik) und der Maschinenbau wurden stark ausgeweitet.

Weiter zunehmen dürfte innerhalb des Industriesektors die Fertigung von höherwertigen und wissensbasierten Produkten, denn für arbeitsintensive Erzeugnisse ist Malaysia bereits zu teuer geworden. Das Ziel lautet Produktivitätssteigerung durch Automatisierung und soll durch eine energieeffizientere Produktion ergänzt werden. Ein essenzieller Input ist dabei qualifiziertes Humankapital.

 

Auf den vorhandenen Rohstoffen aufbauend hat sich Malaysia von einem Agrar- zu einem Industrieland entwickelt.

Landwirtschaft und Bergbau haben tragende Rollen
Sowohl die Landwirtschaft als auch der Bergbau spielen mit jeweils knapp über acht Prozent Anteil an der BIP-Entstehung eine nach wie vor gewichtige Rolle in der malaysischen Wirtschaft. Über 40 Prozent des landwirtschaftlichen Outputs entfällt auf Palmöl. Es folgen Viehhaltung (hauptsächlich Hühner) und Fischerei mit jeweils knapp unter zwölf Prozent sowie Holzwirtschaft und Kautschukgewinnung mit jeweils rund sieben Prozent. Der Bergbausektor wird von Erdöl- und Erdgasförderung dominiert. Kräftig zugelegt hat in den letzten Jahren der Abbau von Bauxit und Titaneisenerz.
 
Regionen: Starke Gefälle prägen das Bild
Das Zentrum der wirtschaftlichen Aktivitäten liegt im Klang Valley, das sich in einem 2.843 Quadratkilometer großen Korridor von Port Klang bis nach Kuala Lumpur erstreckt. Nach der Etablierung von Industrie- und Technologieparks ist dort auch die neue Verwaltungshauptstadt Putrajaya entstanden. Aus dem Dienstleistungs- und Finanzzentrum Kuala Lumpur sind verarbeitende Industrien ins Umland und damit in den Teilstaat Selangor gewandert.

Das Wirtschaftsspektrum des Klang Valley reicht von Logistik- und Transportfi rmen am Hochseehafen Klang und dem internationalen Flughafen Kuala Lumpur über Unternehmen der verarbeitenden Industrie bis hin zu Hochtechnologiefirmen in Cyberjaya. Der zweite bedeutende Industriestandort ist die Insel Penang mit Schwerpunkt in der elektrotechnischen und elektronischen Industrie sowie in der Medizintechnik und im Medizintourismus.

Die Öl- und Gasförderung sowie nachgelagerte Downstream-Industrien sind an der Ostküste der malaysischen Halbinsel (Kuantan und Terengganu) sowie in Ostmalaysia (Sabah und Sarawak) zu finden. Am Südzipfel der malaysischen Halbinsel profitiert die dortige Industriezone Iskandar von der Auslagerung arbeitsintensiver Produktionen aus dem benachbarten Singapur. Zudem erfährt sie einen immensen Immobilienboom.
 
Wirtschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und Malaysia
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Malaysia sind seit vielen Jahren sehr eng und bestimmen im Wesentlichen das gute Verhältnis zwischen den beiden Ländern. Malaysia steht als Handelspartner für Deutschland seit vielen Jahren mit Singapur an der Spitze der ASEAN-Staaten.

Deutsche Einfuhrgüter sind insbesondere: Elektronische/ elektrotechnische Erzeugnisse, Maschinen, Apparate und mechanische Geräte, pflanzliche Öle und Fette, Kautschukprodukte sowie chemische Erzeugnisse. Wichtigste deutsche Ausfuhrgüter: Elektronische/ elektrotechnische Erzeugnisse, Maschinen, Kraftfahrzeuge, optische und pharmazeutische Erzeugnisse.

Malaysia ist Ziel ausländischer Direktinvestitionen, die von den günstigen Rahmenbedingungen angezogen werden, zugleich aber auch für einen wirtschaftlich stimulierenden Technologietransfer sorgen. Dies gilt in besonderem Maße für die deutsche Industrie. Insgesamt sind über 350 deutsche Unternehmen direkt in Malaysia vertreten, viele betreiben Produktionsstätten und exportieren die hier hergestellten Waren weltweit. Malaysia wird von deutschen Firmen auch zunehmend als regionale Drehscheibe für Südostasien und darüber hinaus genutzt.
Quellen: GTAI, Auswärtiges Amt, AHK-Malaysia